{"id":102,"date":"2006-09-08T16:09:57","date_gmt":"2006-09-08T16:09:57","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.project-asia.com\/index.php\/2006\/09\/08\/absturz-am-lago-maggiore\/"},"modified":"2006-09-08T16:09:57","modified_gmt":"2006-09-08T16:09:57","slug":"absturz-am-lago-maggiore","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/project-asia.com\/index.php\/2006\/09\/08\/absturz-am-lago-maggiore\/","title":{"rendered":"Absturz am Lago Maggiore"},"content":{"rendered":"<p> <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-98\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_laveno.jpg\" border=\"0\" alt=\"gs_laveno\" title=\"gs_laveno\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"350\" height=\"264\" align=\"right\" srcset=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_laveno.jpg 350w, https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_laveno-300x226.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/> Am letzten Wochenende ging&#39;s kurzentschlossen mit zwei Fliegerfreunden, Klaus und Jan, zum Gleitschirmfliegen an den Lago Maggiore nach Laveno. <\/p>\n<p> Der Wetterprognosen waren gut und in der Tat hatten wir 3 Tage lang tolles Wetter bei &uuml;ber 30 Grad. Flugtechnisch hatten wir allerdings nur mittelpr&auml;chtige Bedingungen: Die Basis (das ist die Grenze bis zu der man maximal aufsteigen kann) lag bei nur ca. 1500m. Das hei&szlig;t, dass man viel herumstochern muss um nicht &quot;abzusaufen&quot;. Keine Grundlage f&uuml;r entspanntes Fliegen. Vor allem ist es bei geringer Thermik nur sehr schlecht m&ouml;glich &quot;auf Strecke&quot; zu gehen &#8211; also dem Fliegen von Berg zu Berg.  <\/p>\n<p align=\"left\"> Da wir erst freitags nachts losfahren konnten und samstags um 8:00 Uhr in <a href=\"upload\/Laveno_Landplatz.kmz\" target=\"_blank\" title=\"Google Earth Link\" rel=\"noopener noreferrer\">Laveno<\/a>&nbsp;<a href=\"upload\/Laveno_Landplatz.kmz\" target=\"_blank\" title=\"Open Google Earth Link\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-99\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/symb_ge.jpg\" border=\"0\" alt=\"symb_ge\" title=\"symb_ge\" width=\"16\" height=\"16\" \/><\/a>&nbsp;ankamen, waren wir entsprechend m&uuml;de. Dennoch hatten wir an diesem Tag noch einen sch&ouml;nen Flug vom Monte Lema.<br \/> Am n&auml;chsten Tag hatten wir Lust noch ein neues Fluggebiet kennen zu lernen und machten uns auf nach Cornizzolo. <br \/> Nach dem Start ging es erst mal Bergab und ein st&auml;ndiges Suchen nach Aufwinden begann. Ca. 1h sp&auml;ter hatte ich den Hang und seine Umgebung zum x-ten Mal &uuml;berflogen, aber ich schaffte nicht mal mehr Startplatzh&ouml;he. Es wurde jedoch etwas thermischer und als ich einen sch&ouml;nen &quot;Bart&quot; erwischte, entschloss ich mich trotz weiterhin schlechter Vorraussetzungen eine kleine Strecke zu fliegen.  Der erste kleine H&uuml;pfer (1km) zum n&auml;chsten Berg war kein Problem. Von dort flogen ein paar andere Piloten zu einem kleineren Berg in der N&auml;he von Cornizzolo, von dem man allerdings nicht weiterfliegen kann.&nbsp;Ich hatte&nbsp;Mut gefasst und wollte versuchen eine gr&ouml;&szlig;ere Distanz zur&uuml;ckzulegen.&nbsp;Das n&auml;chste Tal war&nbsp;3km lang und auf der anderen Seite angekommen beobachtete mich ein wilder Gemsbock bei meiner verzweifelten Suche nach Aufwinden. Die Suche war nicht gerade von Erfolg gekr&ouml;nt &#8211; ich konnte nur etwa 200m H&ouml;he gewinnen und entschloss mich lieber gleich den n&auml;chsten Sprung zu wagen, bevor ich total absaufen w&uuml;rde. <img decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-100\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_lecco.jpg\" border=\"0\" alt=\"gs_lecco\" title=\"gs_lecco\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"350\" height=\"264\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_lecco.jpg 350w, https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_lecco-300x226.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/> Die n&auml;chsten 3km &uuml;ber den Lago Di Lecco waren herrlich &#8211; aber auch sehr lange und so kam ich mit nur noch ca. 250m H&ouml;he &uuml;ber Grund an einer Felswand n&ouml;rdlich von Lecco an. Dicht am Feld entlangkratzend nutze ich jeden kleinsten aufsteigenden Luftzug,&nbsp;verlor aber stetig an H&ouml;he und bereitete mich mental schon auf eine Landung auf einem nahe gelegenen Sportplatz vor. Ich unternahm den letzten Versuch an der Felswand vorbei, an der zum See zugewandten Seite des Berges bessere Bedingungen zu finden. Ich hatte kaum damit gerechnet, wurde aber mit, zwar ruppigen, jedoch zuverl&auml;ssigen Aufwinden belohnt, die mich nach und nach wieder auf &uuml;ber 1000m hochschaufelten. Ich konnte etwa 100m&nbsp;&uuml;ber das Gipfelkreuz aufdrehen, winkte noch einigen Wanderern zu und machte mich&nbsp;dann auf zu meinem letzten 4km Jump, einem &ouml;stlich von Lecco gelegenen Felsmassiv. Dort angekommen hatte ich vor noch einmal an H&ouml;he zu gewinnen und relaxed den Tag mit einer Landung irgendwo auf einem Acker ausklingen zu lassen. Leider fand der Tag einen ganz anderen Abschluss&#8230;  <\/p>\n<p>  <!--more--> <\/p>\n<p align=\"left\"> An einer Felswand versuchte ich, wie gehabt, wieder Aufwinde zu erhaschen. Nachdem ich dreimal an dem Massiv entlang geflogen war und ich gerade eine Kurve beendete um abermals an der Wand entlang zu fliegen, geschah alles ganz schnell: 60-80m unter mir kleine Laubb&auml;ume. Direkt vor mir die Felswand. &Uuml;ber mir &#8230; kein Schirm! &#8211; zumindest nicht da wo er hingeh&ouml;rt. Ich hatte einen sog. Str&ouml;mungsabriss. Der Schirm fliegt zu langsam, verliert sein Profil und klappt zusammen wie ein Putzlumpen, den man auf den Boden wirft. Kaum hatte ich das begriffen, ging der Gleitschirm auch schon wieder auf und schoss so stark vor, dass er unterhalb vor mir war &#8211; im sch&ouml;nen bildlichen Kontrast zur ca. 20m entfernten, nun mir angsteinfl&ouml;ssenden Felswand. Wenn der Schirm unterhalb vor einem ist, ist nichts mehr da, was einem oben h&auml;lt und so fiel ich erst mal einige Meter ins Leere bis der Schirm wieder &uuml;ber mir war. Der Rest der Achterbahnfahrt bestand darin, dass der Schirm nun zwar &uuml;ber mir, aber leider nicht vorw&auml;rts flog, sondern einseitig r&uuml;ckw&auml;rts und mich dadurch schr&auml;g in eine Kurve schleuderte. F&uuml;r einen kurzen Moment sah ich noch die B&auml;ume aufblitzen und mir war klar, dass es jetzt gleich krachen w&uuml;rde. R&uuml;ckw&auml;rtsfliegend dreschte ich durchs splitternde und krachende Geh&ouml;lz. An diese Bilder kann ich mich nicht mehr erinnern &#8211; ich vermute ich hatte in diesem Moment die Augen zu. <br \/> Hangabw&auml;rts auf meinem Gurtzeug sitzend, fand ich mich am Boden wieder. Die B&auml;ume sahen aus der Luft viel gr&ouml;&szlig;er aus! Tats&auml;chlich waren es nur Unterarmdicke ca. 4-6m hohe B&auml;umchen, die meinen Sturz nicht komplett abfangen konnten. Ich bin bis auf den Boden durchgeschlagen! Nach einer Gedenksekunde l&ouml;ste ich meine Beingurte und den Brustgurt und stand auf. Bestandsanalyse. Ich tastete alle K&ouml;rperteile ab und suchte nach gr&ouml;&szlig;eren Verletzungen. Wenngleich diverse K&ouml;rperteile sich etwas taub anf&uuml;hlten, so schien noch alles am rechten Platz zu sein und seine Aufgaben erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen. &#8211; Hurra wir leben noch!  <\/p>\n<p align=\"left\"> Nun konnte ich auch Jans&nbsp;SMS&nbsp;mit der Frage &quot;Ei wo bisten?&quot; beantworten: &quot;Abgest&uuml;tzt!&quot; &#8211; wie gut, wenn mit einem Wort alles Wichtige gesagt ist&#8230;  <\/p>\n<p align=\"left\"> 15 Min sp&auml;ter suchte ein Rettungshubschrauber nach mir. Irgendwelche Passanten m&uuml;ssen meinen Absturz gesehen haben. Zun&auml;chst an der falschen Stelle suchend,&nbsp;dreht er&nbsp;nach&nbsp;30min ab. Wir haben der Polizei den gl&uuml;cklichen Zustand meiner weitgehenden Unversehrtheit mitteilten. Nach&nbsp;zwei Stunden vergeblichen M&uuml;hen meinen Schirm aus den B&auml;umen zu befreien, verlassen mich meine Geduld und Kraft.&nbsp;Au&szlig;erdem ging die Sonne schon langsam unter und ich hatte noch einen ungewissen Abstieg &uuml;ber extrem steile Ger&ouml;llfelder vor mir. Zur Rettung meines Schirmes&nbsp;folgte eine sehr gewagte Kletteraktion auf einen morschen 6m-Baum, was mich nervlich noch mehr mitnahm als der Absturz selbst (ich weis heute noch nicht, wie dieses &Auml;stchen mein Gewicht halten konnte). Etwa eine Stunde sp&auml;ter fand ich den Weg zur&uuml;ck zur Zivilisation: Aus den B&uuml;schen krabbelnd, voller Dreck, schweiss gebadet komme ich an ein Gasthaus. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-101\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_victory.jpg\" border=\"0\" alt=\"gs_victory\" title=\"gs_victory\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"264\" height=\"264\" align=\"right\" srcset=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_victory.jpg 264w, https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/gs_victory-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><br \/> G&auml;ste und Bedienstete schauen mich an, als w&auml;re ich gerade im Krieg von der Front gekommen. Sie erkundigten sich mehrfach ob es mir auch wirklich gut geht und beschenkten mich mit einem Sandwich und einem k&uuml;hlen Radler. *lecker* Tat das gut!<br \/> Jan und Klaus holten mich mit dem Auto am Gasthaus ab&nbsp;und wir machten uns auf die R&uuml;ckfahrt nach Laveno.  <\/p>\n<p align=\"left\"> &nbsp; Res&uuml;mee: Ich hatte verdammt m&auml;chtiges Gl&uuml;ck! Nicht nur, dass mir nichts Schlimmes passiert ist, sondern auch meiner Ausr&uuml;stung geht es gut. Mein Gleitschirm scheint absolut unversehrt, Vario, GPS und sogar der Camcorder, den ich an einer Stange ungesch&uuml;tzt vor mir herausragen hatte &#8211; alles ist noch heil.  Die einzigen Blessuren die ich davon getragen habe sind Prellungen und starke Absch&uuml;rfungen am rechten Bein. Au&szlig;erdem muss mir bei der Schirm-Rettungsaktion Baumrinde oder sowas ins Auge geflogen sein, denn mein Auge hat sich sehr stark entz&uuml;ndet. Montag- auf Dienstagnacht hat Jan mich deshalb sogar in Darmstadt noch zur Notambulanz der Augenklinik gefahren. Am Mittwoch war ich dann noch mal beim Arzt. Mittlerweile hat sich die &auml;u&szlig;ere Entz&uuml;ndung gelegt. Was mir aber sorgen bereitet ist die Tatsache, das ich mit dem rechten Auge nur sehr unscharf sehen kann. Ich muss am Montag dringend noch einmal zum Arzt.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am letzten Wochenende ging&#39;s kurzentschlossen mit zwei Fliegerfreunden, Klaus und Jan, zum Gleitschirmfliegen an den Lago Maggiore nach Laveno. Der Wetterprognosen waren gut und in der Tat hatten wir 3 Tage lang tolles Wetter bei &uuml;ber 30 Grad. 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