{"id":582,"date":"2009-05-05T01:00:00","date_gmt":"2009-05-05T01:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.project-asia.com\/index.php\/2009\/05\/05\/ein-abenteuerliche-abkrzung\/"},"modified":"2009-05-05T01:00:00","modified_gmt":"2009-05-05T01:00:00","slug":"ein-abenteuerliche-abkrzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/project-asia.com\/index.php\/2009\/05\/05\/ein-abenteuerliche-abkrzung\/","title":{"rendered":"Ein abenteuerliche Abk\u00fcrzung"},"content":{"rendered":"<p> <i>Do&#285;ubayazit, T&uuml;rkei. Kilometer 4.580<\/i><\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/ostanatolien_schnee.jpg\" title=\"In den Hochebenen und Bergen Ost-Anatoliens liegt selbst im Mai noch Schneel\" class=\"jcebox\" rel=\"216\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-568\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_ostanatolien_schnee.jpg\" alt=\"ostanatolien_schnee.jpg\" style=\"margin: 5px 10px; float: left; width: 300px; height: 199px\" title=\"ostanatolien_schnee.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a>Am 05.05. starten wir zur gr&ouml;&szlig;ten Tagesetappe der T&uuml;rkei. Nach einer Fahrzeit von knapp neun Stunden legen wir die 480km lange Strecke von Erzincan nach Do&#287;ubeyazit zur&uuml;ck und &uuml;berqueren dabei mehrere hohe P&auml;sse. Nach dem Scheitelpunkt des 2.300m hohen Sa&ccedil; Ge&ccedil;idi Pass geht es steil hinab. Ich versuche einen kleinen Gang einzulegen, aber er klemmt. Schnell ist mir klar, dass unser kleines Motorrad, welches zwischen Wohnkoffer und Fahrerhaus befestigt ist, nach vorne gerutscht sein muss und nun das Getriebegest&auml;nge behindert. Wir stoppen und ich mache mich daran unser Zweirad mit Spanngurten neu zu verzurren. Hier oben ist es so kalt, dass wir im Fahrerhaus die Heizung einschalten. Dazu bl&auml;st drau&szlig;en eisig der Wind und zus&auml;tzlich setzt Schneeregen ein. Im Fr&uuml;hjahr kann es im Osten der T&uuml;rkei noch empfindlich kalt werden. Vor einem Jahr, im April, k&auml;mpften uns bekannte Overlander in Do&#287;ubeyazit (1580m) mit n&auml;chtlichen Temperaturen von Minus 20 Grad. Dann hilft nur Motor laufen lassen oder ein offenes Feuer unter dem Dieseltank. Mit knapp &uuml;ber Null, haben wir es im Vergleich kuschelig warm. Wenig sp&auml;ter ist die DAX wieder ordentlich verstaut und die Fahrt kann weitergehen.<br \/> In Erzurum legen wir einen kleinen Stop ein, denn Esther muss shoppen gehen. Sie braucht einen Mantel, den Sie im Iran, neben dem obligatorischen Kopftuch, tragen wird. Doch mit dem &uuml;berteuerten, dunkelblauen &bdquo;Lappen&ldquo;, den wir erstehen, kann ich mich nicht so recht anfreunden. Esther sieht es gelassen und das ist die Hauptsache, denn immerhin muss sie ihn (er)tragen und nicht ich.<br \/> Bevor wir uns wieder auf die Stra&szlig;e begeben, st&auml;rken wir uns in einem kleinen Restaurant. Nun ja, &bdquo;klein&ldquo; ist wohl etwas untertrieben, &bdquo;winzig&ldquo; umschreibt es passender. Wir dachten es handelt sich um einen Stra&szlig;enverkauf, doch in der Kebab-Bude, in der Gro&szlig;e unseres Wohnkoffers, kuscheln 11 Personen an kleinen Tischen. Unter ihnen einige Jugendliche, die gerade von der Schule kommen. Sofort sind wir Gespr&auml;chsthema Nummer Eins. Eingepfercht in einer Ecke schneidet ein Mann das Fleisch vom Spie&szlig;. Reis und Salat wird aus einer kleinen Luke in den Raum gereicht, hinter der sich wahrscheinlich eine besenkammergro&szlig;e K&uuml;che befindet. Wir verspeisen gleich drei Postionen Chicken-Kebab mit Reis und Salat, dazu trinken wir Ayran, ein typisches t&uuml;rkisches Erfrischungsgetr&auml;nk auf Joghurtbasis. Auch hier war unsere Strategie wieder einmal goldrichtig dort zu speisen, wo sich die meisten Einheimischen tummeln, egal wie es dort aussieht. <br \/> In Do&#287;ubeyazit angekommen ist es bereits dunkel geworden, doch wir finden einen guten Platz zum Schlafen auf dem Gel&auml;nde einer ehemaligen Tankstelle, die nun von einer kleinen Spedition genutzt wird. Auf dem Gel&auml;nde trinken wir in einem einfaches Restaurant einen Tee mit dem Besitzer, der uns stolz erz&auml;hlt, dass er 11 S&ouml;hne hat. &bdquo;Foodball!&ldquo;, sagt er lachend dazu. Doch das Lachen hat schnell ein Ende, denn in der Ecke flimmert ein Fernseher und wir erfahren, dass es weiter s&uuml;dlich ein Massaker auf einer Hochzeit gegeben hat. &Uuml;ber 40 Personen, darunter Frauen und Kinder, starben im Kugelhagel. Ein Familien-Clan missbilligte die Hochzeit, wodurch sich ein paar von Ihnen zu dieser Gr&auml;ueltat hinreissen liessen. Schrecklich. <\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/sarayi_panorama.jpg\" title=\"Der &#304;shak-Pa&#351;a-Saray&#305;. Ein wirklich beindruckendes historisches Geb&auml;ude.\" class=\"jcebox\" rel=\"216\"><img decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-571\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_sarayi_panorama.jpg\" alt=\"sarayi_panorama.jpg\" style=\"margin: 5px 10px; float: right; width: 300px; height: 199px\" title=\"sarayi_panorama.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a>Am n&auml;chsten Tag besichtigen wir den . Der in Ruinen liegende Palast gilt als eines der wichtigsten Sehensw&uuml;rdigkeiten der T&uuml;rkei, schreibt zumindest Wikipedia und sogar wir museumsscheue Touristen, sind von der Anlage fasziniert, verbringen fast zwei Stunden im Palast, der einmal 366 Zimmer gez&auml;hlt haben soll. Uns gelingen ein paar sch&ouml;ne Fotoaufnahmen. Vor dem Palast treffen wir auf Nuro, einem Deutsch-T&uuml;rken, der seit ein paar Tagen auf dem Campingplatz 100m unterhalb der Saray&#305; gastiert. Er tr&auml;gt moderne Trekkingkleidung und reist seit drei Jahren durch die Welt, unter anderem viel im Norden Europas. W&auml;hrend wir mit mehreren Tonnen &bdquo;Gep&auml;ck&ldquo; durch die Welt reisen, reicht ihm ein sehr kleiner Rucksack. &bdquo;Das ist noch viel. Ich will noch optimieren und mit weniger auskommen.&ldquo;, meint er. Ich finde diese Einstellung bewundernswert. Trotz unserer ungleichen Reiseart, entdecken wir viele Gemeinsamkeiten in unseren Denkweisen &uuml;ber das Leben und Leben lassen. So entwickelt sich in den n&auml;chsten Tagen eine neue kleine Freundschaft.<br \/> Unter einem Campingplatz verstehen wir Europ&auml;er gew&ouml;hnlich etwas anders, aber immerhin gibt es eine warme Dusche und frisches Wasser aus einer Quelle. So verbringen wir dort einige Tage, denn wir wollen dem Durcheinander in unserem kleine Zuhause langsam ein Ende setzen. Ich zimmere das l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige B&uuml;cherregal aus dem mitgebrachten Holz aus Ankara und damit ist wieder eine Kiste weniger im Weg. Juhu! <\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/sarayi_mosque.jpg\" title=\"Der &#304;shak-Pa&#351;a-Saray&#305; von innen. Hier der grosse Raum der Moschee.\" class=\"jcebox\" rel=\"216\"><img decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-573\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_sarayi_mosque.jpg\" alt=\"sarayi_mosque.jpg\" style=\"margin: 5px 10px; float: left; width: 300px; height: 199px\" title=\"sarayi_mosque.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a> <\/p>\n<p> Mit Nuro unternehmen wir einen sehr sch&ouml;nen Ausflug in die Umgebung. Unser Ziel ist ein winziges Dorf auf einem kleinen Plateau an dem Bergen um Do&#287;ubeyazit. Wir wollen ein wenig raus aus der Zivilisation. Querfeldein wandern wir &uuml;ber mehrere H&uuml;gelketten und erreichen nach etwa drei Stunden die kleine Gemeinde. Schnell werden wir entdeckt. Heftig bellende Hunde k&uuml;ndigen unseren Besuch an. Eine Frau h&auml;ngt ihre W&auml;sche auf, verschwindet jedoch rasch im Haus. Aus einem anderen Haus kommt uns ein &auml;lterer Mann entgegen. Nuro wechselt in Landessprache ein paar Worte mit ihm. Kurz darauf sind wir zum Tee auf der kleinen Wiese vor seinem Haus eingeladen. Eigentlich wollten wir den typischen Ayran kosten, doch der wird aus Schafsmilch hergestellt und die gibt es zur Zeit nicht, da die Schafe ihre L&auml;mmer s&auml;ugen. Vorwitzig tapsen diese um uns herum. Als Ausgleich bekommen wir leckeres selbstgebackenes Brot. Der Bauern erz&auml;hlt, dass&nbsp; immerhin 26 Familien im Dorf leben und wie fast &uuml;berall findet auch hier eine gewissen Landflucht statt. Von den Jugendlichen will kaum jemand mehr Schafhirte sein oder Knochenarbeit auf dem Feld verrichten. Das Dorf ist mittlerweile auch &uuml;ber eine kleine Strasse von Do&#287;ubeyazit aus zu erreichen, doch die meisten Dinge zum Leben stellen die Menschen noch selbst her. Das Wasser holen sie aus den Bergen, wer das Geld f&uuml;r ein langes Kunststoffrohr hat, legt sich eine kleine Pipeline. Ein Anschluss aus der Stadt gibt es nicht und k&ouml;nnte sich niemand leisten. Immerhin gibt es Strom. <\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/eski_dogubeyazit.jpg\" title=\"In der Umgebung des Palast ist sind weiter Ruinen. Im Abendlicht bekommen wir eine tolle Atmosph&auml;re.\" class=\"jcebox\" rel=\"216\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-575\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_eski_dogubeyazit.jpg\" alt=\"eski_dogubeyazit.jpg\" style=\"margin: 5px; float: left; width: 300px; height: 199px\" title=\"eski_dogubeyazit.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/sarayi_schatten.jpg\" title=\"Der Sarayi im Scherenschnitt. Der Palast ist fast allabendlich ein dankbares Fotomotiv.\" class=\"jcebox\" rel=\"216\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-577\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_sarayi_schatten.jpg\" alt=\"sarayi_schatten.jpg\" style=\"margin: 5px; float: left; width: 300px; height: 199px\" title=\"sarayi_schatten.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a>  \t\t\t<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> Die Menschen leben bescheiden. W&auml;hrend unseres Gespr&auml;chs beobachten wir das H&auml;uschen des Bauern, eine typische, einfache Lehmh&uuml;tte mit Flachdach. Neugierig lassen sich immer wieder kleine Kinder blicken. Die Mutter sehen wir nur einen kurzen Moment beim Wasserholen aus dem Nebenraum. Die Behausung scheint aus zwei R&auml;umen zu bestehen, die nur &uuml;ber zwei Au&szlig;ent&uuml;ren zu betreten sind. Zwar besteht der Fussboden aus Lehm, dennoch springen&nbsp; auch hier die Kinder feins&auml;uberlich aus den Schuhen bevor sie wieder im Haus verschwinden.<br \/> Wir machen uns wieder auf, zur&uuml;ck zu unserem Palast auf vier R&auml;dern. Nachdem wir st&auml;ndig an stark frequentieren Rastpl&auml;tzen gestanden haben, war dies ein sch&ouml;nes kleines Erlebnis. Wir freuen uns schon sehr auf unsere ersten l&auml;ngeren Trekkingtouren in Indien und Nepal.<br \/> Unter Zeitdruck wollten wir schnell &uuml;ber die Grenze in den Iran. Nun, wo der Grenz&uuml;bertritt nur einen Steinwurf entfernt liegt, z&ouml;gern wir. Jetzt, wo wir einige Worte in t&uuml;rkisch gelernt und ein Gef&uuml;hl f&uuml;r das Land gewonnen haben, m&ouml;chten wir am liebsten noch ein paar Tage bleiben. Doch auch das f&uuml;r uns unbekannte Iran ruft. Nuro zieht es ebenfalls nach Osten, w&uuml;rde am liebsten direkt mit uns fahren, doch mit seinem deutschen Pass kann er nicht mehr spontan in den Iran. Mit einem t&uuml;rkischen Pass w&auml;re dies m&ouml;glich gewesen. Wir entschlie&szlig;en uns wenigstens gemeinsam in den S&uuml;den nach Van zu fahren. Der Vansee soll sehr sch&ouml;n sein soll und von dort kommt man auch zu einen Grenz&uuml;bergang in den Iran.<br \/> &nbsp;<br \/> Viel zu sp&auml;t brechen wir also auf um die 170m km nach Van in Angriff zu nehmen. Der Weg f&uuml;hrt uns &uuml;ber einen 2.600m hohen Pass und wieder einmal fahren wir in die Dunkelheit hinein. Doch die Stra&szlig;en sind gut und wohlbehalten erreichen wir ein paar Stunden sp&auml;ter Van. Wir suchen ein Restaurant, das uns mehr als nur Reis-Kebab bietet, was uns bisher nicht wirklich gelungen ist. Immerhin haben wir eine deutsch-t&uuml;rkisch sprechende Unterst&uuml;tzung dabei. Wir bekommen ein Eintopfgericht und Hackfleischb&auml;llchen in Tomatenso&szlig;e, was zwar nicht schlecht schmeckt, uns jedoch keine Gaumenfreuden entlockt. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf, irgendwo muss doch all das leckere Gem&uuml;se zubereitet werden.<br \/> Wir verbringen die Nacht auf einem kargen Platz vor einer gro&szlig;en Ruinenanlage am Van-See. Da Nuro bereits um 8:30 Uhr mit dem Bus nach Tunceli, seiner Heimatstadt, weiterreist und wir einige Zeit damit verbringen einen Internetzugang zu finden, bekommen wir auch nicht wirklich sehenswertes zu Gesicht. Irgendwie treibt es uns nun doch an die Grenze in den Iran. <br \/> Unser Weg f&uuml;hrt uns auf wenig befahren Stra&szlig;en Richtung Osten. Nach knapp einer Stunden und nahezu keinem Verkehr, beschleicht uns das Gef&uuml;hl, dass die Grenze eventuell gar nicht ge&ouml;ffnet ist. Tats&auml;chlich erreichen wir wenig sp&auml;ter ein geschlossenes Eisentor, hinter dem sich ein gro&szlig;er Platz und verlassene Hallen befinden. Etwas rechts von uns, an einer Bahnlinie, befindet sich ein gr&ouml;&szlig;erer belebter Milit&auml;rposten. Mit dem Auto scheint es hier wirklich nicht weiter zu gehen. Ich erkenne keine Stra&szlig;e, die hier als Grenz&uuml;bergang genutzt werden k&ouml;nnte. Zu Fu&szlig; laufe ich auf das Gel&auml;nde hinter dem Tor um mich von der Misere zu &uuml;berzeugen. Ein Zaun trennt das Gel&auml;nde. Auf den Geb&auml;uden der anderen Seite weht die Iranische Flagge. Wenngleich es auch auf der iranischen Seite recht lebhaft zugeht, ist deutlich zu sehen, dass hier schon lange kein Grenzverkehr mehr abgewickelt wurde.Ich &uuml;berquere eine kleine Br&uuml;cke Richtung Milit&auml;rposten um mich davon zu &uuml;berzeugen, ob es nicht doch eine M&ouml;glichkeit des Grenz&uuml;bertritts gibt. Doch den gibt es nicht, denn die jungen Soldaten erkl&auml;ren mir, dass wir uns hier auf milit&auml;rischen Sperrgebiet befinden. Etwas seltsam, da die Stra&szlig;e in keinster Weise derart ausgeschildert war &#8211; zumindest nicht f&uuml;r uns les- oder erkennbar.<br \/> Da hilft kein Z&auml;hneknirschen &ndash; wir m&uuml;ssen zur&uuml;ck nach Do&#287;ubeyazit. Das schmeckt uns gar nicht. Eine Strecke doppelt zu fahren ist schon bl&ouml;d genug, zum Anderen m&uuml;ssen wir im Iran ohnehin wieder Richtung S&uuml;den und das uns dieser Umweg nun 180 Euro an Diesel kostet, macht die Sache nicht besser. Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass es noch eine Alternative des Grenz&uuml;bertritts weiter im S&uuml;den gibt. Einige Gebiete zum angrenzenden Irak sind jedoch t&uuml;rkisches Sperrgebiet. Da ist uns das Risiko zu gro&szlig; eine noch gr&ouml;&szlig;ere Strecke zur&uuml;ckfahren zu m&uuml;ssen. Stattdessen entscheiden wir uns nach einer Abk&uuml;rzung zu suchen, die uns nicht &uuml;ber Van, sondern direkt nach Do&#287;ubeyazit f&uuml;hrt. So eine &bdquo;Abk&uuml;rzung&ldquo; ist zwar nirgends auf unserer Karte eingezeichnet, aber wenn ich mir den Umweg &uuml;ber Van anschaue, wird es bestimmt eine direkte Route geben. <br \/> So biegen wir an der n&auml;chsten gr&ouml;&szlig;eren Kreuzung &bdquo;rechts ab&ldquo;. Auf unserem GPS sind nat&uuml;rlich auch keine Stra&szlig;en eingezeichnet, aber wir k&ouml;nnen uns immerhin an ein paar kleineren Ortsnahmen auf der Karte und der Himmelsrichtung orientieren. Unsere anf&auml;ngliche Abenteuerlust wird jedoch schnell befriedigt, als die ohnehin schlaglochgesprickte kleine Asphaltstra&szlig;e mit einem Mal endet und zur Piste mit Schlamml&ouml;chern wird. Auf halber Strecke ein Blick in die Tanks: Fast leer. Auf jeden Fall kommen wir damit nicht bis zur n&auml;chsten gr&ouml;&szlig;eren Stadt &Ccedil;aldira. In einem Dorf klopfen wir irgendwo an der T&uuml;re, fragen nach Diesel. Ein Mann deutet uns, wir w&uuml;rden beim Markt Sprit bekommen. Wir befinden uns nun wirklich auf dem Land: Auf Schlammwegen, teilweise mehr Wasser als Weg, kommen wir im Dorfshop an. Nat&uuml;rlich bleibt unser lautstarkes Auftauchen nicht unbemerkt und schnell wird unser Besuch zum Ereignis des Tages. In einer Baracke neben dem Laden lagert der Sprit in dubiosen F&auml;ssern. Der Preis ist schnell gekl&auml;rt: 80 Eurocent pro Liter sind denkbar g&uuml;nstig f&uuml;r die T&uuml;rkei &ndash; wo das Zeug her ist, will ich gar nicht wissen. Zu Sicherheit packe ich unseren Spezialtrichter aus. Die Leute stauen nicht schlecht: Im Trichter ist ein Filter mit Wasserabscheider eingebaut. Tats&auml;chlich laufen die per Hand abgef&uuml;llten 60 Liter problemlos durch den Filter, bis auf einen kleinen Rest, den ich dem H&auml;ndler dankend zur&uuml;ckgebe. Nach einem Cay und ein paar t&uuml;rkischen Worten setzen wir unser Abenteuer fort.<br \/> <a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/wellblech_schlammpiste.jpg\" title=\"Unsere Abk&uuml;rzung entpuppt sich als Offroad-Strecke. Im Schritttempo kommen wir hier voran.\" class=\"jcebox\" rel=\"216\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-579\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_wellblech_schlammpiste.jpg\" alt=\"wellblech_schlammpiste.jpg\" style=\"margin: 5px 10px; float: left; width: 300px; height: 199px\" title=\"wellblech_schlammpiste.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a>Die Piste wird immer katastrophaler. Der Tachozeiger zuckt schon lange nicht mehr, das GPS zeigt bisweilen Geschwindigkeiten zwischen 2 und 6km\/h an &ndash; da ist man schneller zu Fu&szlig; unterwegs. Dunkel wird es auch schon und wenn es in diesem Tempo weitergeht, ben&ouml;tigen wir noch Stunden bis nach &Ccedil;aldiran. Anfangs konnte ich den Schlagl&ouml;chern noch ausweichen, jetzt besteht der Weg nur noch aus Schlamml&ouml;chern, durch die ich mitten durch muss. Esther kommt sich vor wie beim Rodeo. LKW und Aufbau schaukeln wild hin und her, der Rahmen knarrt be&auml;ngstigend unter dem st&auml;ndigen Lastwechsel. Jetzt ein Panne w&auml;re grausam. Auf der gesamten Fahrt begegnet uns kein Verkehr. Wer f&auml;hrt schon freiwillig solche Wege. In einem weiteren Dorf &uuml;berlegen wir zu &uuml;bernachten, doch es stinkt nach verbranntem Plastik und insgesamt wirkt es f&uuml;r uns alles andere als Einladend. Wir fahren weiter. <br \/> Ich klammere mich an eine Theorie: Wenn wir den Scheitelpunkt der Strecke hinter uns haben und wir uns der n&auml;chsten Stadt n&auml;hern, m&uuml;sste die Stra&szlig;e sicherlich wieder besser werden. Im R&uuml;ckspiegel tauchen Scheinwerfer eines weiteren LKW auf, f&uuml;r den ich kurz zur Seite fahre, damit er &uuml;berholen kann. Er bedankt sich mit einem kurzen Hupen und ist bald darauf ein gutes St&uuml;ck vor uns. Wenig sp&auml;ter steht er am Stra&szlig;enrand und scheint mit einem kleinen Reservekanister zu hantieren. Ich versichere mich ob alles in Ordnung ist und fahre weiter. Kurz darauf &uuml;berholt er mich wieder, hupt. Dann steht er wieder am Rand, tankt. Ich &uuml;berhole, hupe. Das ganze ereignet sich noch insgesamt zwei Mal und ich frage mich wie viele kleine Reservekanister er wohl dabei haben mag. Die Situationskomik heitert uns ein wenig auf &ndash; wahrscheinlich auch, weil wir hier nicht ganz alleine sind. <br \/> <a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/strasse_abkuerzung.jpg\" title=\"Tolle Abk&uuml;rzung haben wir uns hier ausgesucht. Die Sonne ist gerade untergangen. Jetzt bitte keine Panne...\" class=\"jcebox\" rel=\"216\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-581\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_strasse_abkuerzung.jpg\" alt=\"strasse_abkuerzung.jpg\" style=\"margin: 5px 10px; float: right; width: 300px; height: 199px\" title=\"strasse_abkuerzung.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a>Bewahrheitet sich meine Theorie: Aus dem nichts taucht eine Teerstrasse auf und wir k&ouml;nnen wieder Gas geben. Welch ein krasses Gef&uuml;hl nach dieser Strecke wieder ebenen Boden unter den R&auml;dern zu haben. Wir atmen auf und erreichen eine halbe Stunde sp&auml;ter &Ccedil;aldiran, wo wir die n&auml;chste Tankstelle zum &uuml;bernachten ansteuern. Dort treffen wir erneut den Truckfahrer, &bdquo;unseren Freund von der Schlammpiste&ldquo;. Wir trinken &Ccedil;ay, lachen und sind erleichtert dieses kleine Abenteuer ohne Blessuren &uuml;berstanden zu haben. Schlie&szlig;lich sind das die Geschichten von denen wir sp&auml;ter grinsend erz&auml;hlen k&ouml;nnen. <\/p>\n<p> Morgen geht es weiter nach Do&#287;ubeyazit und dann endlich &uuml;ber die Grenze in den Iran. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Do&#285;ubayazit, T&uuml;rkei. Kilometer 4.580 Am 05.05. starten wir zur gr&ouml;&szlig;ten Tagesetappe der T&uuml;rkei. Nach einer Fahrzeit von knapp neun Stunden legen wir die 480km lange Strecke von Erzincan nach Do&#287;ubeyazit zur&uuml;ck und &uuml;berqueren dabei mehrere hohe P&auml;sse. Nach dem Scheitelpunkt des 2.300m hohen Sa&ccedil; Ge&ccedil;idi Pass geht es steil hinab. 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