{"id":585,"date":"2009-05-12T01:00:00","date_gmt":"2009-05-12T01:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.project-asia.com\/index.php\/2009\/05\/12\/einreise-iran-unsere-erste-qrichtigeq-grenze\/"},"modified":"2009-05-12T01:00:00","modified_gmt":"2009-05-12T01:00:00","slug":"einreise-iran-unsere-erste-qrichtigeq-grenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/project-asia.com\/index.php\/2009\/05\/12\/einreise-iran-unsere-erste-qrichtigeq-grenze\/","title":{"rendered":"Einreise Iran. Unsere erste &#8222;richtige&#8220; Grenze."},"content":{"rendered":"<p> <i>Iran, Maku, Kilometer 4.655<\/i> <\/p>\n<p> Auf unserem Nachtplatz, einer kleinen Tankstelle in &Ccedil;ald&#305;ran, ist wie bei fast allen unseren Rastpl&auml;tzen, fr&uuml;h was los und ich werde schon kurz vor f&uuml;nf Uhr wach. Wir blinzeln von unserem Bett aus gegen die aufgehende Morgensonne. Wir sind etwas nerv&ouml;s, denn unser erster &bdquo;richtiger&ldquo; Grenz&uuml;bergang steht uns heute bevor, von der T&uuml;rkei in den Iran. <br \/> Doch zun&auml;chst fahren wir wieder zur&uuml;ck nach Do&#287;ubeyazit, auf den uns bekannten Stellplatz vor einer ehemaligen Tankstelle. Der Besitzer des kleinen Restaurant freut sich uns wieder zu sehen und kommt uns grinsend entgegen. Wir suchen eigentlich nach dem freien WLAN, dass wir hier noch vor zwei Tagen nutzen konnten. Doch jetzt empfangen wir kein Signal mehr, also trinken wir erst mal einen &Ccedil;ay. Im Restaurant treffen wir auf Ismail, einem t&uuml;rkischen Trucker aus Antaky, ganz im S&uuml;den der T&uuml;rkei, an der Grenze zu Syrien. Er arbeitete f&uuml;nf Jahre als Fliessenleger in Heidelberg und spricht deshalb ein wenig deutsch. Er erkl&auml;rt uns, dass er auf auf sein Visum f&uuml;r den Iran wartet, welches in etwa zwei Stunden hier ankommen soll. Sein K&uuml;hllaster steht mitten im Iran, zu dem er nun will, um dann weiter nach Turkmenistan und Usbekistan zu fahren, also die gleichen L&auml;nder die wir noch auf der Route haben. Auf meine Frage wie die Strassen denn in Turkmenistan sind, antwortet er: &bdquo;Welche Stra&szlig;en?&ldquo;. Na, dass kann ja heiter werden. Auf seinem Laster transportiert er 22 Tonnen Apfelsinen. Er gibt uns einige Tipps und bietet an, mit uns zur Grenze zu fahren und bei den Formalit&auml;ten zu helfen. <br \/> Wir lehnen dankend ab, da wir selbst die Erfahrung machen m&ouml;chten, eine solche Grenze zu &uuml;berschreiten &ndash; im Nachhinein w&auml;ren wir doch froh gewesen, ihn dabei gehabt zu haben.<br \/> Ismail gibt uns f&uuml;nf verschiedene Telefonnummern, f&uuml;r jedes seiner Transitl&auml;nder eine. Er bietet uns bei Problemen seine telefonische Hilfe an. Immerhin spricht er zus&auml;tzlich noch recht gut russisch. Ich verabschiede mich sehr herzlich vom Besitzer des Lokals, dem Vater der Fussballmannschaft,&nbsp; mit Wangenk&uuml;sschen. W&auml;hrend unserer beiden Aufenthalte konnte ich sp&uuml;ren, dass er gerne mehr mit uns gesprochen h&auml;tte, aber eine un&uuml;berwindbare Sprachbarriere verhinderte ein tieferes Gespr&auml;ch. W&auml;hrend unserer Zeit in der T&uuml;rkei und im vorraus konnten wir zwar einige W&ouml;rter T&uuml;rkisch lernen, dennoch bedauere ich nicht noch besser t&uuml;rkisch sprechen zu k&ouml;nnen.<br \/> Wir fahren noch einmal in die Stadt, um zum ersten Mal ein Internetcaf&eacute; zu suchen. Bisher konnten wir immer &uuml;ber ein freies WLAN eine Internetverbindung herstellen. Ich bin &uuml;berrascht: In Do&#287;ubeyazit gibt es eine Internetstube nach der anderen. Ich steuere eines der L&auml;den an und &ouml;ffne die verspiegelte T&uuml;r. Das Caf&eacute; gleicht einer Legebatterie f&uuml;r Internets&uuml;chtige. Der Raum ist schmal und langgezogen. Rechts und links befinden sich 30 nummerierte kleine Nischen mit einem PC dahinter. Der Laden ist proppenvoll. Es wird gesuft, geraucht und &Ccedil;ay getrunken. Rechner Nr 19 ist noch frei. Wir nehmen Platz. Noch bevor ich die erste Internetseite aufrufe, werden wir mit Tee versorgt. Aus Sicherheitsgr&uuml;nden &uuml;bertrage ich unsere Daten nicht von einem USB-Stick, sondern &uuml;ber eine wiederbeschreibbare DVD. So kann ich keine Viren auf mein Notebook im LKW schleusen. Leider m&uuml;ssen wir feststellen, dass das eingebaute DVD-Laufwerk unseres PC eine Attrappe ist. Doch dieses Problem ist schnell gel&ouml;st. An Ort uns Stelle wird der PC aufgeschraubt und ein altes, staubiges DVD-Laufwerk angeschlossen, welches tats&auml;chlich funktioniert.<br \/> Ich k&auml;mpfe mit dem t&uuml;rkischen Tastatur-Layout, w&auml;hrend Esther dem Rauch nach drau&szlig;en entflieht. Da das ganze Betriebssystem in t&uuml;rkisch ist, passiert mir ein bl&ouml;der Fehler. Die Frage ob mein gerade eingegebenes eMail-Passwort gespeichert werden soll, beantworte ich mit &bdquo;Evet&ldquo;, ja. Ich hangle mich durch die t&uuml;rkischen Untermen&uuml;s des Internet Explorers und suche ewig bis ich die Daten wieder l&ouml;schen kann. Die Verbindung ist nicht berauschend, aber mir gelingt es einige gr&ouml;&szlig;ere Bilder f&uuml;r die Presse hoch zu laden und nach einer Stunde bin ich fertig. Kosten: 0,50&euro;.<br \/> Auf geht&rsquo;s zur 35km entfernten Grenze. Von weitem sehe ich eine LKW Schlange, an der wir jedoch frech auf der Gegenfahrbahn vorbeifahren.Vor dem ersten Grenzposten herrscht ein wenig Verkehrschaos. Ein Mann springt aus dem Gewusel hervor und schleust uns wild winkend durch die Menge. Er weicht uns nicht mehr von der Seite bis wir &uuml;ber die t&uuml;rkische Grenze sind. Er springt auf unser Trittbrett auf und h&auml;lt sich am Au&szlig;enspiegel fest. Ein Grenzbeamter mit wenigen Worten Deutschkenntnissen, &bdquo;empfiehlt&ldquo; uns diesen Service sogar. Mehr als &bdquo;Passport&ldquo; bringt unser Servicemann allerdings nicht &uuml;ber die Lippen. Als er pl&ouml;tzlich mit unseren P&auml;ssen in einem Geb&auml;ude verschwindet, werde ich etwas unruhig. Doch wenig sp&auml;ter taucht er wieder auf und hat ein paar neue Stempel in unseren P&auml;ssen. Auf der t&uuml;rkischen Seite sind wir schnell fertig. Wir geben dem Mann umgerechnet 10 Euro. Sicherlich zuviel, aber wir sind froh, dass alles sehr schnell von statten ging. Wir m&uuml;ssen nicht einmal den LKW &ouml;ffnen. <br \/> <a href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/esther_mantel_kopftuch1.jpg\" title=\"Esther mit Kopftuch und Mantel. Mit der Zeit ein gewohnter Anblick. Das Foto ist etwas sp&auml;ter am Kaspischen Meer aufgenommen.\" class=\"jcebox\" rel=\"217\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-583\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_esther_mantel_kopftuch1.jpg\" alt=\"esther_mantel_kopftuch1.jpg\" style=\"margin: 5px 10px; float: left; width: 300px; height: 199px\" title=\"esther_mantel_kopftuch1.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a>Esther zieht Ihr neues Kopftuch aus Istanbul auf und legt Ihren Mantel an. &bdquo;Sesam &ouml;ffne Dich&ldquo;, das t&uuml;rkische und iranische Rolltor werden ge&ouml;ffnet, wir rollen 10m weiter und befinden uns im Iran. Viel Geduld f&uuml;r unseren weiteren Grenz&uuml;bergang haben wir eingepackt und sind gespannt was nun weiter passieren wird. Auch hier findet schnell ein &bdquo;Schleuser&ldquo; den Weg zu uns. Er kann wenige Brocken englisch, die mit einem Farsi-Slang unterlegt, teilweise nicht zu entschl&uuml;sseln sind. <br \/> Wir werden in eine grosse Halle geschickt. Frauen sitzen auf Plastikb&auml;nken, M&auml;nner stehen um einen kleinen Schalter herum und warten auf die weitere Abfertigung. Ich halte noch unsere P&auml;sse in der Hand, doch ein aufmerksamer Polizei schnapp sie sich und schwupp sind sie in dem kleinen Glash&auml;uschen unter einem Tisch verschwunden. Auf dem Tisch stapeln sich bereits t&uuml;rkische und iranische Ausweise. Wir wissen nicht auf was genau gewartet wird, aber alle warten. Also wir auch. In der angrenzenden Halle beobachte ich, wie scheinbar wahllos Gep&auml;ckst&uuml;cke kontrolliert werden. Eine Ordnung kann ich nicht entdecken, alles scheint planlos, aber jeder macht irgend etwas. <br \/> Ein Grenzbeamten schlie&szlig;en das kleine H&auml;uschen mit den P&auml;ssen auf, worauf die M&auml;nnermenge an den Schalter dr&auml;ngt, doch dann wird grinsend wieder abgeschlossen. Das Ganze wiederholt sich ein paar mal. Lustige kleine Grenzspiele. <br \/> Ich nutze die Zeit und erkundige mich in der wartenden Menge nach der Tankkarte, die notwendig ist um an den hier superg&uuml;nstigen Diesel zu kommen. Jeder erz&auml;hlt etwas anderes und mehrfach bekomme ich erkl&auml;rt, dass ein Liter Diesel 0,4$ kosten soll. Wenngleich das f&uuml;r deutsche Verh&auml;ltnisse g&uuml;nstig erscheint, mag ich dies nicht glauben, denn mir ist ein Preis von 3 Cent pro Liter bekannt. Wo man die Tankkarte bekommen kann, finden wir ebenfalls nicht heraus.<br \/> Irgendwann geht es vorran und unser &bdquo;Guide&ldquo; scheucht uns mit einem sich st&auml;ndig wiederholenden &bdquo;Come, come!&ldquo; kreuz und quer durch alle m&ouml;glichen T&uuml;ren. Routinem&auml;&szlig;ig wird nach dem Carnet de Passage, dem Zollpapier f&uuml;r unseren LKW und der Honda DAX, gefragt. Dieses Dokument sichert ab, dass wir unsere beiden Fahrzeuge nicht einfach im Land verkaufen. Einen gro&szlig;en Batzen Geld mussten wir daf&uuml;r in Deutschland beim ADAC als Kaution hinterlegen. <br \/> Die Abfertigung auf der iranischen Seite dauert nun schon &uuml;ber drei Stunden, doch noch sind wir relaxed. Und weiter geht&rsquo;s, die n&auml;chsten Stempel und Schn&ouml;rkel-Zeichen auf unserem Carnet sammeln! Mittlerweile befinden sich darauf zahlreiche f&uuml;r uns unlesbare Notizen und mit jedem Botengang bekommen wir weitere kleine Zettel, die wir f&uuml;r irgendwas brauchen. z.B. f&uuml;r unser iranisches Nummernschild, welches wir Khoy abholen sollen, einer Stadt die 154 km entfernt liegt und sich zudem nicht ganz auf unserer Route befindet. Nun bin ich doch etwas genervt. Ich halte das mit meinem europ&auml;ischen Ordnungsdenken f&uuml;r v&ouml;lligen Unsinn, was ich auch bekunde. Keiner kapiert unsere Frage, wo wir in Khoy denn hinfahren m&uuml;ssen, um diese Nummernschilder zu bekommen. Es hei&szlig;t wir sollen dort ein Taxi nehmen, die wissen wo das w&auml;re. Da dies aber vorerst nichts mit unserem Grenz&uuml;bertritt zu tun hat, akzeptiere ich diesen Umstand &#8211; das wir diese Nummernschilder &uuml;berhaupt nicht abholen werden, muss ja keiner wissen.<br \/> In Do&#287;ubeyazit bekamen wir in einer Bank die Information, Geld gut an der Grenze tauschen zu k&ouml;nnen. Der aktuelle Kurs sei 1 TL = 6.500 Real. In einer Wechselstube in der Stadt wurde uns ein Kurs von 6.000 Real angeboten, den wir aber leider ablehnten. Da wir mittlerweile nicht mehr all zu viel Euro in Bar dabei haben, heben wir in Do&#287;ubeyazit 500 TL (ca. 250Euro) mit der EC Karte ab. Die wollen wir in iranische Real tauschen. Jetzt an der Grenze, kostet uns dieses ganze Getausche und ein noch schlechterer Kurs sp&uuml;rbar Geld. Wir machen einen Verlust von etwa 15%.<br \/> Zwar sind wir nun schon &uuml;ber der Grenze, doch noch nicht ganz fertig, wir brauchen noch eine Autoversicherung.Wenngleich wir nicht damit rechnen, dass diese Versicherung im Schadensfall auch zahlt, so sollte dennoch eine abgeschlossen werden, denn die Polizei soll angeblich bei Kontrollen danach fragen. Unser &bdquo;Guide&ldquo; steht uns immer noch zur Seite, allerdings sind wir inzwischen doch ziemlich geschafft und sein hektisches &bdquo;Go!&ldquo; and &bdquo;Come!&ldquo; stresst uns. Wir werden in ein kleines Kabuff in einem engen H&auml;userflur gef&uuml;hrt, das man alleine nie finden w&uuml;rde. Es braucht schon Nerven und Gottvertrauen &uuml;berall mit hin zu wackeln. Nach ein wenig Palaver heisst es, dass Versicherung 120 Euro kosten soll, worauf ich unmissverst&auml;ndlich klarstelle, dass dies definitiv zu viel ist. Der Versicherungsfutzi sucht im Rechner nach angeblichen Alternativen. Letztlich bezahlen wir 90 Euro, was mit Sicherheit immer noch zu viel ist. Doch mit dieser letzten Station unser Grenzabwicklnung sind wir mental am Ende. &Uuml;ber f&uuml;nf Stunden mussten wir aufpassen wo unsere P&auml;sse sind oder das Carnet, denn die Dokumente wurden so schnell eingesteckt, weitergegeben, durchgereicht, dass man alles sieben Sinne beisammen halten muss. Dennoch verschwanden die P&auml;sse zeitweise, tauchten jedoch kurze Zeit sp&auml;ter wieder auf. <br \/> Unserem Grenzguide geben wir umgerechnet 17 Euro, was viel zu viel war, denn am Geldwechsel und der Versicherung hat er ebenfalls gut verdient &ndash; wie wir einen Tag sp&auml;ter erfahren, steht auf dem Versicherungsschein in persisch geschrieben, dass er 45 Euro statt der bezahlten 90 Euro gekostet h&auml;tte. Als Dank scheucht uns der Guide nach der Gabe seiner Gage unfreundlich davon. Kein sch&ouml;ner Einstieg in ein Land, dass uns doch so freundlich und toll beschrieben wurde. Aber es ist ja auch erst der erste Tag im Iran.<br \/> Wir stellen unsere Uhr 3,5h sp&auml;ter als in Deutschland ein. Die Zeitverschiebung sp&uuml;ren wir sogar fahrender Weise mit dem LKW. Unser Tages Rhythmus hat sich noch nicht richtig eingependelt. Viel zu sp&auml;t kommen wir ins Bett und stehen zu sp&auml;t auf. Wir werden noch einige Zeit brauchen um unseren Tagesablauf nach der Sonne gerichtet zu haben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Iran, Maku, Kilometer 4.655 Auf unserem Nachtplatz, einer kleinen Tankstelle in &Ccedil;ald&#305;ran, ist wie bei fast allen unseren Rastpl&auml;tzen, fr&uuml;h was los und ich werde schon kurz vor f&uuml;nf Uhr wach. Wir blinzeln von unserem Bett aus gegen die aufgehende Morgensonne. 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