{"id":589,"date":"2009-05-13T01:00:00","date_gmt":"2009-05-13T01:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.project-asia.com\/index.php\/2009\/05\/13\/tanken-in-iran-eine-sache-fuer-sich\/"},"modified":"2009-05-13T01:00:00","modified_gmt":"2009-05-13T01:00:00","slug":"tanken-in-iran-eine-sache-fuer-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/project-asia.com\/index.php\/2009\/05\/13\/tanken-in-iran-eine-sache-fuer-sich\/","title":{"rendered":"Tanken in Iran &#8211; eine Sache fuer sich"},"content":{"rendered":"<p> <em>Iran, Maku, Kilometer 5.264.<br \/> <\/em>Nun sind wir in Persien. Doch ohne Dieselnachschub werden wir nicht weit kommen. Wir sind ratlos wo wir die Chipkarte erhalten, die wir zum Tanken ben&ouml;tigen. An mehreren Tankstellen fragen wir danach, jedoch ohne Erfolg. In Maku, der ersten kleinen Stadt nach der Grenze, halte ich v&ouml;llig entnervt vor einer weiteren Tankstelle und sinke mit dem Kopf auf das Lenkrad. Es dauert keine drei Minuten, da klopft jemand an die Beifahrert&uuml;r und fragt Esther: &bdquo;Can I help you?&ldquo; Wir erz&auml;hlen dem hilfsbereiten Iraner die Misere mit dem Tanken. Er schl&auml;gt vor, dass wir in sein Auto steigen und das Problem l&ouml;sen werden. Da wir erst vor ein paar Tagen einen Bericht eines anderen Reisenden gelesen haben, der kurz hinter der Grenze von angeblichen Polizisten ausgeraubt wurde, zu denen er ins Auto stieg, sind wir vorsichtig. Wir erkl&auml;ren, dass wir gerne mit dem LKW hinterher fahren wollen, worauf er meint, dass dies zu lange dauern w&uuml;rde. Unser Misstrauen ist uns peinlich, doch nach dem anstrengenden, gestrigen Grenz&uuml;bergang wollen wir kein Risiko eingehen. Schlie&szlig;lich f&auml;hrt er doch voraus und wir folgen ihm. Leider kommen wir an der n&auml;chsten gro&szlig;en Tankstelle auch in Landessprache nicht weiter. Doch Behrouz, ein pensionierter Englisch Lehrer, meint optimistisch: &bdquo;There is no problem.&ldquo; und f&auml;hrt mit uns noch einmal zur&uuml;ck zur 25km entfernten Grenze. Diesmal steigen wir doch in sein Auto ein und lassen den LKW an der Tankstelle stehen. <br \/> Unterwegs fragt er uns, ob wir schon eine Versicherung f&uuml;r das Auto abgeschlossen haben und wir zeigen ihm den kleinen Versicherungsschein, den wir am Vortrag f&uuml;r 90 Euro erstanden haben. Er sch&uuml;ttelt den Kopf und fragt mich, warum ich so viel bezahlt h&auml;tte. Auf dem Schein w&uuml;rde stehen, dass er nur 45 Euro kostet. Meine Antwort beschr&auml;nkt sich darauf, dass ich kein Farsi lesen kann und ein kleiner dummer Tourist sei. Das ist Behrouz ein Besuch des windigen Versicherungsmarklers wert. Dort bekommen wir nat&uuml;rlich nicht unser zu viel bezahltes Geld zur&uuml;ck, doch Behrouz ist hier ein bekannter Mann und wird ihm sein zuk&uuml;nftiges Gesch&auml;ft vermiesen. Als wir das B&uuml;ro verlassen kommentiert Behrouz kurz, &bdquo;He was my studend, but now he is corrupt!&ldquo;. <br \/> An der Grenze angekommen werden wir von einem B&uuml;ro zum anderen geschickt, bis wir vom Chef der Grenzstation in seinem ger&auml;umigen Office empfangen werden. Wir f&uuml;hlen uns geehrt, immerhin ist diese Grenze das Nadel&ouml;hr zwischen Asien und Europa. Dort bekommen wir unseren ersten iranischen Tee serviert, der hier ebenfalls Cay hei&szlig;t. Er schmeckt etwas milder und wie wir finden noch leckerer als der t&uuml;rkische Tee. Daf&uuml;r gibt es keine L&ouml;ffel um den Zucker umzur&uuml;hren. Hier legt man sich beim Trinken das Zuckerst&uuml;ck direkt in den Mund. So was will ge&uuml;bt werden, aber wir sind nicht zum Teetrinken gekommen.<br \/> Selbst diverse Telefonate mit Teheran helfen nicht weiter. Die Karte bleibt ein Mysterium. Aber Behrouz hat der Ehrgeiz gepackt, so schnell gibt er nicht auf. Wir steigen wieder in sein Auto. Zielstrebig geht es zur&uuml;ck nach Maku, wo wir den Chef einer Tankstellenkette treffen. Dort gibt es die zweite Runde Tee, aber keine Tankkarte. Soweit wir die Lage verstehen, hei&szlig;t es in einem Schreiben aus Teheran, dass eine Tankkarte f&uuml;r Touristen ausgegeben werden soll, doch die Karten selbst sind an der Grenze nicht verf&uuml;gbar. Daher kommt es auch, dass wir bei allen Tankstellen nach der Karte gefragt werden. Woher sollen sie willen, dass es an der Grenze zur Zeit keine Karten gibt.<br \/> Ein letzter Versuch endet vor den verschlossenen Toren des B&uuml;rgermeisters von Maku, doch es ist bereits zu sp&auml;t unser Anliegen vorzubringen. Wir sind hungrig und laden Behrouz zum Essen ein. In einem Restaurant bekommen wir leckeren Kebab &ndash; noch wissen wir nicht, dass es der beste Kebab unseres Iranbesuchs gewesen ist. <br \/> Auf dem R&uuml;ckweg zum LKW kaufen wir uns eine Iran Telefonkarte f&uuml;r unser Handy. Das lohnt sich, denn wir sind fast vier Wochen im Land und telefonieren ins In- und Ausland ist mit einem lokalen Netzanbieter weit aus g&uuml;nstiger, als mit meiner deutschen SIM-Karte. <br \/> <a rel=\"219\" href=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/iran_tankschlange.jpg\" title=\"Ueblicher Anblick vor den Tankstellen im Iran, nahe der Grenze zu der Tuerkei. Meist gibt es nur in den Morgenstunden Diesel.\" class=\"jcebox\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-587\" width=\"300\" src=\"https:\/\/project-asia.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/thumb_iran_tankschlange.jpg\" alt=\"iran_tankschlange.jpg\" height=\"199\" style=\"float: left; margin: 5px; width: 300px; height: 199px\" title=\"iran_tankschlange.jpg\" \/><\/a>Zur&uuml;ck am LKW bedanken wir uns bei Behrouz f&uuml;r seine M&uuml;he. Wenngleich vergeblich, hat er acht Stunden seiner Zeit f&uuml;r uns geopfert. Er wolle nicht nach Geld fragen, aber ein Souvenir f&uuml;r seine Kinder oder Frau w&auml;re sch&ouml;n und bringt uns damit in Verlegenheit, denn Andenken oder Kinderspielzeug aus Deutschland haben wir nicht dabei. Wir schenken Ihm eine Weltkarte und ein g&uuml;nstiges Fernglas, das ich allerdings lieber einen Hirten oder Sch&auml;fer gegeben h&auml;tte. <br \/> Zum Abschied gibt Behrouz Esther noch einen Hinweis auf den Weg: &bdquo;Don&#8217;t cover yourself too much!&ldquo; und spielt damit auf Esthers nerv&ouml;ses Zupfen am Kragen an. Es ist der erste Tag im Iran und sie f&uuml;hlt sich mit der Kleidervorschrift unsicher. Immer wieder h&auml;lt sie sich den Kragen ihres Mantels zu, um ihren Ausschnitt zu verdecken und kontrolliert, ob das Kopftuch richtig sitzt. Auch der Hinweis, dass sie im Auto kein Kopftuch tragen m&uuml;sse, l&auml;sst Esther aufatmen. <br \/> Wir tanken 40 Liter auf die Karte eines anderen LKW Fahrers. Ein Vorgehen, welches wir bei allen unseren Tankstops im Iran erfolgreich praktizieren werden, denn auch ein weiterer Versuch einige Tage sp&auml;ter, an der Grenze zu Azerbaijan, wird uns keine Tankkarte bescheren. <br \/> Warum es keine Karten gibt, verstehen wir nicht &ndash; genau so wenig wie die Grenzbeamten bei unserer sp&auml;teren Ausreise nach Turkmenistan, wo man uns zun&auml;chst nicht glauben will, dass wir keine Tankkarte zum Abgeben haben.<br \/> Der weitere Hinweis von Behrouz, dass wir uns den Umweg &uuml;ber Kroy, zum Abholen der iranischen Nummernschilder sparen k&ouml;nnen, kommt uns gerade recht. Er begr&uuml;ndet dies damit, dass die Schilder gar nicht notwendig w&auml;ren und nur einen Nachteil h&auml;tten: Die Polizei w&uuml;rde damit jede Gelegenheit nutzen uns wegen (angeblichen) Verkehrsdelikten Strafen aufzubrummen, die wir gesammelt bei Abgabe der Schilder an der Grenze zahlen d&uuml;rften. Ob dem wirklich so ist, k&ouml;nnen wir nicht beurteilen. Fakt ist, dass wir weder im Land, noch bei der Ausreise, irgendwelche Probleme wegen eines fehlenden iranischen Nummernschilds bekommen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Iran, Maku, Kilometer 5.264. Nun sind wir in Persien. Doch ohne Dieselnachschub werden wir nicht weit kommen. Wir sind ratlos wo wir die Chipkarte erhalten, die wir zum Tanken ben&ouml;tigen. An mehreren Tankstellen fragen wir danach, jedoch ohne Erfolg. 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